Ein Gartenparadies mit englischem Touch

Willst du für eine Stunde glücklich sein, so betrinke dich.
Willst du für drei Tage glücklich sein, so heirate.
Willst du für acht Tage glücklich sein, so schlachte ein Schwein und gib ein Festessen.
Willst du aber ein Leben lang glücklich sein, so schaffe dir einen Garten.

– Chinesisches Sprichwort –

Der Aufbau

Um ein typisches Siedlungshäuschen aus den 50er Jahren herum entsteht auf einem 860 m² großen Grundstück unser Garten.

Von der Terrasse aus betritt man einen eher formal gehalten Teil des Gartens, den wir ursprünglich als Bauerngarten geplant hatten. Dort findet man inzwischen Stauden und Kräuter. Ihn umgibt eine Hecke aus langsam wachsendem Ilex crenata.

Seitlich daneben stehen trockenheitsresistente Stauden und Gräser im sogenannten „Präriebeet“. Eine Schicht aus Lavasplit unter den Stauden verhindert hier das Austrocknen des Bodens.

Die zweite Ebene, die man über drei Stufen erreicht, wird von üppigen Staudenbeeten dominiert. Auch hier befindet sich eine Terrasse, die vielleicht bald von einer Rosenberankten Pergola beschattet werden wird. Auf der anderen Seite kann man vom lockeren Laub einer Kiefer „bedacht“ im Halbschatten ruhen.

Der am tiefsten liegende Teil des Gartens soll schattig, ursprünglich, waldartig werden. Hier bieten Gehölze den Lebensraum für schattenliebende Stauden. Man könnte hier auch einen erfrischenden Naturteich erwarten.

Verschiedene Sitzgelegenheiten, die mal im Schatten, Halbschatten oder im Frühjahr noch in der Sonne liegen, dienen dazu, den Garten aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und zu genießen.

So lädt der Garten fast zu jeder Jahreszeit zu Erkundungen und Entspannung ein.

Der englische Touch

Wir lieben die Landschaften, Gärten und Lebensart der Britischen Inseln!

Daher versuchen wir auch bei der Gestaltung unseres Gartens Prinzipien englischer Gärten einfließen zu lassen. Das sind z.B. Blickachsen, Gartenzimmer, nach Höhe gestaffelte Staudenbeete, in denen die Stauden farblich harmonieren und Formschnitt Gehölze. Die eher gradlinige Grundstruktur des Gartens wird durch üppige Bepflanzung aufgelockert. Dem aufmerksamen Betrachter offenbaren sich versteckte Überraschungen, die zum Schmunzeln anregen.

Ein Rundgang durch den Garten

Herzlich willkommen zu einem Bilder-Rundgang durch unseren Garten!

Der Bauerngarten

Vier Beete sind symmetrisch um eine zentrale Amphore angeordnet. Diese wird von vier Stauden eingerahmt. In den Beeten wachsen Kräuter und Salat. Calendula, Jungfrau im Grünen oder Kapuzinerkresse dürfen sich aussäen und herumvagabundieren. Dieses gilt ebenso für den Scheinmohn.

Das Sonnenbeet

Das erste von mir geplante Staudenbeet liegt in voller Sonne und recht zentral im Garten. Es ist mit Primeln, Tulpen, Phloxen, Katzenminze, Königskerzen und Storchschnabel bepflanzt. Im Herbst haben Astern und die Goldrute ihren Auftritt.

Das Feuerdornbeet

Im Feuerdornbeet versuche ich meine Lieblingsfarben rot, orange und gelb zu kombinieren. Diese Farben bringen wir mit Sonnenlicht, Wärme und Lebenslust in Verbindung. Die Farbe Orange wird darüber hinaus auch mit Optimismus und Gesundheit assoziiert. Da trifft es sich gut, dass wir im Sommer an dem hier gelegenen Sitzplatz gerne unsere Mahlzeiten einnehmen.

Der "White Garden"

Unter zwei alten Apfelbäumen (Halbstämmen) habe ich versucht ein lauschiges Schatten-Plätzchen zu schaffen. Dafür wählte ich weiß blühende, eher niedrige Stauden (u.a. Hostas), die durch die Blattformen und wenig Blüten eher ruhig wirken.

Das Zen-Beet

Den Namen erhielt das Beet durch die Sandstein Skulptur, die hier aufgestellt wurde. Sie hatte uns angesprochen, bevor wir überhaupt wussten, welchen Titel sie trägt. Der Zen Buddhismus lehrt durch Meditationspraxis im Einklang mit sich selbst und der Umwelt zu leben. Wenn wir es gemäß des Zen geschafft haben, Stille in uns zu finden, können wir auch in den Einklang mit unserer Umwelt kommen. Wo könnte dies besser gelingen, als in einem Garten?

Die Staudenwiese

In einem Teil des Gartens, in dem ich „Reststauden“ parke, hatte ich im vorigen Jahr eine einjährige Mischung mit Insektenfreundlichen Blumen ausgesät. Im darauf folgenden Jahr war eine romantische Staudenwiese entstanden.

Das "Präriebeet"

Beim „Präriebeet“ habe ich versucht mit trockenheitsresistenten Stauden und Gräsern ein pflegeleichtes Beet zu gestalten. Agastache rugosa „Blue Fortune“, Anthemis tinctoria „Sauce Hollandaise“ und Verbena hastata „White Spires” bildeten im ersten Jahr bereits üppige Horste, sind aber inzwischen (in der 3. Saison) leider komplett verschwunden. Hier wird eine Neugestaltung nötig sein.

Was mich antreibt

Unser Garten bietet mir einen höchst willkommenen Ausgleich zu meinem Beruf, bei dem ich viel kommunizieren muss, der aber nur selten greifbare Erfolge bietet. Das schöpferische Tätigsein im Garten ist dagegen eine Form der Entspannung. Wenn Gäste in den Garten kommen, fällt früher oder später die Bemerkung, dass ein solcher Garten viel Arbeit sein müsse.

Dem kann ich nur widersprechen. Wenn ich den Stauden von Anfang an den Standort biete, den sie brauchen, fällt später das Kümmern – z.B. in Form von Gießen – weg. Mit dem Wissen über die Bedürfnisse der Stauden und durch intensive Beobachtungen ihres „Verhaltens“ kann ich die Beete so anlegen, dass sie pflegeleicht sind und trotzdem fast rund ums Jahr den Betrachter mit Blüten erfreuen.

Die englische Sprache bietet uns den Begriff „Gardening“ – im Deutschen können wir dagegen nur von „Gartenarbeit“ sprechen. Ich finde, dass diese unterschiedlichen Bezeichnungen schon viel über die Einstellung, die in den beiden Ländern zum Garten herrscht, aussagen.

Mein Hauptanliegen ist es mit Pflanzen (in erster Linie mit Stauden) harmonische Bilder zu gestaltet, wie eine Künstlerin, die mit Pflanzen statt mit Farben „malt“.
Zudem möchte ich in unserem Garten einen Raum schaffen, in dem Mensch und Natur in Einklang leben können. So wähle ich z.B. möglichst ungefüllte Stauden und solche, die bei Insekten beliebt sind.

Die Entstehung des Gartens

Im Jahr 2006 zogen wir in das alte Siedlungshaus aus den 50er Jahren ein und widmeten uns zunächst der Renovierung des Hauses. Der Garten bestand zu dem Zeitpunkt hauptsächlich aus Rasen mit ein paar alten Apfelbäumen (Halbstämme) und einem langgestreckten Beet, das in früheren Zeiten einmal dem Gemüseanbau gedient hatte, inzwischen aber mit soliden Stauden, einigen Beerensträuchern und ein paar Gehölzen bepflanzt war.
Dieses Beet war mein erstes Experimentierfeld: während der nächsten 10 Jahre pflanzte ich immer wieder schöne Stauden, die entweder blieben – häufiger aber wieder verschwanden.

Im Winter 2017/2018 wurde das Gelände dann komplett neu angelegt. Durch einen Galabauer ließen wir den Garten in drei Ebenen gliedern, was der natürlichen Geländelage des Grundstücks entsprach. Die entstandenen Höhenunterschiede wurden durch niedrige Mauern aus Ruhrsandstein abgefangen. Nach englischem Vorbild hatten wir uns Kieswege gewünscht, die durch hochgestellte Ziegelsteine eingefasst waren. Bis auf das Sonnenbeet wurden alle freien Flächen mit Rasen eingesät. Die Grundlage unseres Garten war im wahrsten Sinne des Wortes gelegt.

Durch einen glücklichen Zufall lernte ich im Herbst 2017 die Gründerin der „Offenen Gartenpforte: Gärten an der Ruhr“ – Ingrid Adelt – kennen. Seitdem besuchte ich Kurse und Seminare bei ihr, sowie bei der GdS (Gesellschaft der Staudenfreunde e.V.) und setzte danach das dort Gelernte in unserem Garten praktisch um.

Es entstanden:

2018: Bauerngarten, Sommerbeet und „White Garden“
2019: Feuerdornbeet
2020: Präriebeet
2021: Zen-Beet

… und der Garten ist noch lange nicht fertig.

Natürlich gibt es auch Rückschläge. In den ersten drei (trockenen) Sommern nach der Umgestaltung des Gartens, traf man so gut wie keine Schnecken. Das war 2022 anders – nun haben sie an einigen Stelle deutliche Spuren der Verwüstung hinterlassen …